Gedichte

 

Zeitfleisch

ich habe Angst
vor dem Tag
an dem der Teller
für immer
leer bleibt

vom Zeitfleisch

 

 

 du nimmst mich aus dem Kopf
zwischen Unmöglichem
ackerst du
in meine Haut
wirfst
Falten
in mein Kleid
tanzt mich
barfuss
aus

for a dog’s wool boogie
in another life

 

 

so parallel
neben mir
kann ich

denken
atmen
nach dir verlangen

ein Zweibettzimmer Herz
ein Zweikammer Selbst
jede Nacht sich
neu entscheiden

mein linker Arm greift
meine rechte Wange
mein Schoß fällt dir ins Licht
Schattenumarmung

ein Zweikammer Leben
genug um hier zu wurzeln
genug um deinen
Umriss zu verlangen

ich knips dich an
ich knips dich aus
Zweistrom Lust
und Schlag

 

 

gerieben
meine Hand an deiner Hose

im Versteck
fühl ich mich
füll mich
fall ich

wenn wir könnten
stünden wir immer noch hier
Hose in Hand
Kopf im Bauch

scharf vor der Klinge

 

 

den Puls der Zeit
aufschneiden

in Fleischfasern
innehalten
kurz ein Lied singen
für tausend Körperchen
auf dem Sprint zu dir

du weißt
in welche Richtung
mein Blut fließt?

 

 

niemand hat gesagt
du bist es
niemand war sich sicher
oder hat gefragt

ich habe gelacht bis
das Blut an den Schenkeln
herab lief
warm war es und ganz sicher
meins

niemand hat gesagt
es ist deines
niemand war sich sicher
niemand hat gelacht

außer mir
einen Augenblick
als der Müllwagen abfuhr
als es kurz heraus fiel
war es ganz sicher

unseres

 

 

unverschleiert ungesehen

du warst auf keinem Foto
aber du hast sie alle
gemacht
du kleine Frau aus Teheran

warst du denn wirklich hier?
und wer warst du
als du wirklich
hier warst?

 

 

Langsamkeit

heute bin ich
der Sand
nicht die Spur der Schlange
darin

heute bin ich
keine vierzig Augen
die gleichzeitig
die Nacht durchdringen

eine Schicht mehr
heute
braucht es
eine Hülle um
jedes Glied
mehr

Häute

 

 

wie können wir uns
begegnen
sollen wir uns halten?

an uns
am Glasrand
fest
oder
locker?