Hintergrund & Philosophie

Als professionell ausgebildete Schauspielerin (Universität für Musik und darstellende Kunst Graz) arbeite ich schon seit vielen Jahren an Bühnen im In- und Ausland sowie für Film und Fernsehen. Für mich sind diese persönlichen schauspielerischen Erfahrungen als Theaterpädagogin besonders wichtig. Meine eigene künstlerische Arbeit gibt mir ein inneres Verständnis für die Schritte, welche die TeilnehmerInnen in meinen Workshops machen, wenn sie behutsam anfangen sich auf einer Bühne bzw. in einem theatralen Raum zu bewegen. Durch meine eigenen künstlerischen Einblicke kann ich sie besser und gezielter auf ihrem persönlichen Weg begleiten.

Seit vielen Jahren arbeite ich nun schon mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen im Bereich Schauspiel, Theater – und Dramapädagogik. Das BMB (Bundesministerium für Bildung) veranstaltet jährlich Seminare für LehrerInnen aus dem DaF-Bereich (Deutsch als Fremdsprache), welche ich regelmäßig organisiere und betreue. PädagogInnen aus aller Welt kommen nach Österreich, um hier die Kultur und Sprache des Landes zu erleben. Die Theaterarbeit mit dieser Zielgruppe aus ganz unterschiedlichen Sprach- und Kulturkreisen bietet natürlich ein sehr spannendes Arbeitsfeld. Wie funktioniert Theater als Kommunikationsmedium, als universelle Sprache? Wie kann Theaterarbeit konkret helfen Berührungsängste abzubauen, mögliche Konflikte sinnvoll zu lösen und das Vertrauen der Gruppe zu stärken?

Schauspielen ist Teamwork auf dessen Basis sich der Einzelne selbst besser kennen lernen kann, um so die eigenen Grenzen zu erforschen und sie im besten Falle auch zu erweitern. Spielfreude scheint mir ein weiterer wesentlicher Kern fruchtbarer Theaterarbeit zu sein. Spielen, suchen, ausprobieren, sich einlassen und Ja sagen sind wichtige Schritte in der theaterpädagogischen Arbeit. Es geht nicht darum, etwas Fertiges einzustudieren oder nur zu wiederholen, sondern vielmehr darum, sich immer wieder neu und wahrhaftig auf den Moment einzulassen.

Seit 2008 leite ich außerdem den theaterpädagogischen Lehrgang „Theater macht Schule“ an der pädagogischen Hochschule Steiermark. Gemeinsam mit dem Theater am Ortweinplatz versuchen wir als Team, bestehend aus Mag. Manfred Weissensteiner, Verena Kiegerl und mir, in vier Semestern PädagogInnen zu SpielleiterInnen auszubilden und das Fach „Theater“ an die unterschiedlichen Bildungsinstitutionen zu tragen. Für viele der TeilnehmerInnen hat der Besuch dieses Lehrgangs aber nicht nur ihr unmittelbares schulisches Umfeld stark verändert, sondern auch ihren ganz privaten Lebensbereich neu gestaltet. Und diese Tatsache bestärkt mich wieder darin, was Theater alles vermag, für den Einzelnen, für die Gruppe und in der Gesellschaft.
An der pädagogischen Hochschule Steiermark und der pädagogischen Hochschule Burgenland biete ich darüber hinaus auch einzelne Fortbildungen im Bereich DaZ (Deutsch als Zweitsprache) bzw. DaF (Deutsch als Fremdsprache) an. Gerade jetzt ist es besonders wichtig den Sprachenunterricht integrativ und interaktiv zu gestalten, alle SchülerInnen anzusprechen und ihnen die Chance zu geben Sprache mit allen Sinnen zu erforschen, zu begreifen und schließlich kompetent zu erlernen.
Doch Theaterpädagogik kann noch mehr.
In vielen Schulen und Bildungseinrichtungen, aber auch im ganz alltäglichen Umgang miteinander schwelgen oft zahlreiche unausgesprochene Konflikte (integrative Klassen, wenig homogene Gruppenzusammensetzungen, Multikulturalität etc.) und drängen immer vehementer an die Oberfläche. Einen Unterricht aber, der dafür sensibilisieren würde und Wege zur Konfliktlösung anbieten könnte, gibt es nicht. Ich halte es gerade in der jetzigen Zeit für wichtig Friedenserziehung zu leisten und den bewussten Umgang mit Diversität zu schulen.
Wenn es mir möglich ist aus meiner Rolle herauszutreten, kann ich vielleicht einen neuen Blickwinkel gewinnen und mich meinem Gegenüber wieder annähern, vielleicht sogar einmal in seine Rolle schlüpfen und spüren, wie sich das anfühlt.

Ausgehend von diesen sehr unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen sowohl für das BMBF, die PH Steiermark und die PH Burgenland als auch im Rahmen von Workshops und Seminaren (u.a. an der Universität Graz, Urania Graz, Kolleg für Sozialpädagogik Graz, broadway connection Wien, Schulschiff Wien) ergibt sich auch das Angebot meiner Kurse und Workshops.
Eine entscheidende Schnittstelle gibt es jedoch, die alle meine Workshops miteinander verbindet, so unterschiedlich das Angebot auf den ersten Blick vielleicht auch scheinen mag.

Spielfreude, Offenheit und Flexibilität sind immer die Grundlagen meiner Arbeit. Ich möchte Menschen erreichen und für sie und mit ihnen gemeinsam einen Raum schaffen, in dem jeder spielerisch sich und seine Umwelt begreifen und erfahren kann. In seinem Ursprung war das Theater einmal als Akt des Heilens gedacht, das einer zunehmenden Fragmentarisierung entgegen wirken sollte:

Es heißt, in seinen Ursprüngen sei das Theater ein Akt des Heilens gewesen, des Heilens der Stadt. Aufgrund der in ihr wirkenden, grundlegenden auseinanderstrebenden Kräfte kann keine Stadt einen Prozess der Fragmentarisierung vermeiden. Aber wenn sich die Bevölkerung an einem besonderen Ort unter besonderen Bedingungen versammelt, um an einem Mysterium teilzuhaben, dann werden die verstreuten Glieder zusammengeführt, und eine vorübergehende Heilung eint den größeren Körper, in dem jedes Mitglied wiedereingegliedert, seinen Platz findet.
aus Zeitfäden / Threads of Time von Peter Brook, Verlag S. Fischer 1998