Gedichte


Leben / zarte

Regen
in dem ich
endlos
                      tanze

nicht zu frieren


Mutterhaut

nur kurz
über den Sessel gehängt
geworfen
den Blick zur Seite
gestreut
schon läuft sie in ihr spazieren
als wäre es
ihre
Mutterhaut

schöner heller
sieht sie darin aus
läuft durch und durch und über Fäden
gespannt zu Menschen
denen ich mich
bekannt gemacht habe
schleift sie mit sich
mich in ihr
trägt einfach meine Haut
aus der Tür


ein Pfirsichkern unter Steine
gemischt
Gesichter
eingeschnitzt
in ihm

ein Grashüpfer
der die Länge
der Tischtafel
durchmisst

und ich?
sitze und beobachte und sehe
die die sitzt und sieht und
ihr Gesicht im Pfirsichkern sucht
im Sprung des Grashüpfers flüstern will
dass die Tischplatte
endet


wenn ich alles gesehen habe
was mich stört
wenn ich alles erlebt habe
was mich ängstigt
wenn ich jeden Riss
und jedes Loch
und jede Fehlbildung
mit meinem Auge
erschöpfend
abgefahren bin

dann will ich sie anlegen
die Liste vom Gegengewicht

zeichne weiter sagt das Malbuch
mach aus einem Strich
ein Dach einen Rüssel eine Flinte
einen Drachen auf der Rutsche
mach
was du denkst


es tropft
uns alle an

Wind
spielt frech
mit deiner
dann mit meiner
Haut

Würde

würde das als Kompass gelten?

Bauchhöhle auf Herzhöhe

dass wir alle
immer
gemeinsam
zerbrechlich sind


shifting baselines

meine Wahrnehmung vom Wandel
wandelt sich
mich
verzerrt meinen Blickrand

unbemerkt hat sich unser Referenzpunkt
verschoben
die Abschlusslinie von der aus
ich dich liebte
geändert

menschlich ist die Wahrnehmung
ist sie menschlich?


frei
wie ein Schlafsack der mit seiner eigenen Wärme kommt
frei
wie Worte die im Platzwechsel ihre Sinne tauschen
frei
wie meine Hand in deiner
frei
wie Zeit die sich spielerisch vermehrt
frei
wie fragen


daheim
dort wo keine Antwort wartet
allein Vertrauen in Fragen
unsere Berührungsmenge
bleibt konstant
Anker der immer fortkommenden Reise
Sonnenmoment
der den Wassertropfen trocknet
in der Muschelhälfte
deiner Hand


making love to an hourglass

ich schlafe mit den Stunden
einzeln
nacheinander
durch das Glas
drücke ich den verrinnenden Sand
fest
an meine Haut

das ist die Bewegung des dich Liebens

durch das Glas rinnt
der Sand
durch den Sand
die Zeit
durch die Zeit
Liebe

du musst woanders wohnen
zieh noch einmal um