Gedichte

Fußstapfenworte

die Fußstapfen
der Worte
zurückmarschieren
den ersten
Abdruck
im Blatt
hinterlassen

wörtliche Jungfrau
spielen

schlag mir doch was vor

am Ende der Stirnplatte
gibt es ein geheimes Versteck
ein Spiel
durch die Schranktür
in den Wald
durch den Wald bis zur Lichtung
durch die Lichtung
der Nacht
hinein in den Kuss

schlag ihn mir
dicht
auf die Lippen

so parallel
neben mir
kann ich

denken
atmen
nach dir verlangen

ein Zweibettzimmer Herz
ein Zweikammer Selbst
jede Nacht sich
neu entscheiden

mein linker Arm greift
meine rechte Wange
mein Schoß fällt dir ins Licht
Schattenumarmung

ein Zweikammer Leben
genug um hier zu wurzeln
genug um deinen
Umriss zu verlangen

ich knips dich an
ich knips dich aus
Zweistrom Lust
und Schlag

in mir brennt
ein Fegefeuer
da musst du
durch

nur so
kommst du
in meine
Hölle

wo kommt die Träne her?

was hat sie kurz zuvor gemacht
gespielt?

kam sie auf einem Wort
oder durch das Netz der Augenhaut?

ich will etwas von ihr
dich vermissen

Eltern und Kinder
Verhältnis ohne Zeit
Spuren von mir
in deinem Gesicht
du großer Schatten
lehnst an der Wand
ich lehne in deinen Umrissen
zeichne deine Ränder in mir ab

wer wohnt jetzt in wessen Haus
wer ist zu Gast
und wer bringt wen
heim

Menschen im Zweikanalton

ein Pass
zwei Töne
eine Taste

alle möglichen
Fortsetzungen

geboren in Ländern
erst ein Land werdend

jetzt geboren
immer geboren
unaufhörlich geboren

in mir
Boden
unter mir
Luft
eine Tür
Atem

Warteraum des Mitgefühls

an den zugenähten
Enden
meiner Tränenkanäle
Radiowerbung

nur nicht
noch nicht
nur nicht
noch nicht
nur
einmal
nicht

sehen